Jurybegründung

„Dieses Jahr hatten wir als Jury das Vergnügen alle drei Kategorien – Schwul, Lesbisch und Queer – in der Kurzfilmsektion der Queer-Streifen sehen zu dürfen. Aufgrund der durchgängig ansprechenden Produktionen, die uns auf unterschiedliche Art und Weise zu unterhalten und zu bereichern verstanden, ist uns die Aufgabe unter den insgesamt 28 Beiträgen einen als Preisträger zu bestimmen, nicht leicht gefallen.

Mehrere Filme hätten es durchaus verdient, in besonderer Weise anerkannt zu werden. Dennoch gab es einen Film, der uns allen dreien nach den Screenings gleichermaßen speziell im Gedächtnis verblieben ist.

Dieser Film erzählt von einem jungen Menschen im Prozess der Identitätsfindung. In seiner Figurenzeichnung gelingt es ihm, uns nicht nur diese Figur überzeugend nahe zu bringen, sondern auch den Nebenpersonen eine Präsenz zu verschaffen, die die Geschichte auf wunderbare Weise abrundet. Das zentrale Problem ist dabei weniger, dass der Hauptcharakter nicht sein darf, wer oder was sie oder er sein will. Eher geht es gerade darum, sich nicht nur in eine Kategorie einfügen zu müssen, sondern mehreres gleichzeitig sein zu dürfen.

Überzeugt hat uns vor allem die betont filmische Vermittlung dieser Problematik. Warme und farbenfrohe Aufnahmen unterlegen den Konflikt mit einer dennoch positiven Grundstimmung. In Schlüsselszenen findet der Film genau die richtigen Bilder, um uns das Innenleben der Hauptfigur nicht nur verbal zu vermitteln, sondern vor allem sinnlich wahrnehmbar zu machen. Orte des Wassers, wie das Schwimmbad oder ein Raum voller Aquarien, werden als Sinnbild für einen Zustand des Fluiden eindrucksvoll in Szene gesetzt. In entsprechenden Szenen kann Anemio schließlich zu sich selbst finden … wie auch wir zu unserem Gewinnerfilm. Wir vergeben den diesjährigen Jurypreis für den besten Kurzfilm an den britischen Beitrag ANEMONE von Amrou Al-Kadhi.“